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28.04.2015

Agrokraftstoffe

Chance auf Neuanfang verpasst

Das Europäische Parlament hat an diesem Dienstag neue Regeln für Agrokraftstoffe beschlossen. Die Bestimmungen sollten die negativen Folgen der Nutzung von Anbauflächen für Kraftstoff mindern (1). Aber die nun beschlossenen Regeln gehen dafür nicht weit genug, sagt der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament, Martin Häusling:

"Das Europäische Parlament hat die Chance verpasst, die Förderung von Agrokraftstoffen nachhaltig und sinnvoll zu gestalten. Dieser Beschluss bringt keine Verbesserung. In Zukunft werden sieben Prozent Anteil von Agrokraftstoffen der ersten Generation (zum Beispiel aus Raps-, Soja- oder Palmöl) im Kraftstoffmix zugelassen. Das ist eindeutig zu viel. Die Förderung von Biokraftstoffen hat außerdem zu Landnutzungskonflikten geführt. Eine Kehrtwende wäre deshalb dringend notwendig.

Schon lange ist klar, dass die angeblich klimaschützende Wirkung dieser Kraftstoffe auf falschen Annahmen basiert. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Agrokraftstoffe das Klima sogar mehr belasten können als fossile Kraftstoffe. Wir brauchen deshalb eine komplett neue Bewertung der Agrokraftstoffe.

Außerdem hat die Mehrheit der EU-Abgeordneten es abgelehnt, die sogenannten indirekten Landnutzungsänderungsfaktoren (ILUC)  in die Nachhaltigkeitsbilanz der Kraftstoffe aufzunehmen. Dies ist höchst bedauerlich, weil es immer noch und wieder passiert, dass Flächen für Ackerbau gerodet werden, weil der Anbau von Lebensmitteln wegen neuen Feldern für Agrokraftstoffe verlagert werden muss.   

Was dem Klima wirklich helfen würde, wäre eine vollständige Überarbeitung unserer Verkehrs- und Mobilitätskonzepte. Nur wenn weniger Kraftstoff verbraucht wird, haben wir eine Chance auf einen nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen und effektiven Klimaschutz."

(1)  Dabei geht es vor allem um die Berücksichtigung von sogenannten indirekten Landnutzungsänderungen. Darunter versteht man die Verdrängung von Nahrungspflanzen durch Pflanzen für Agrokraftstoffe. Sie werden zwar auf Flächen angebaut, die als nachhaltig zertifiziert sind. Durch die Verdrängen müssen aber Wald- oder Brachflächen in Ackerland umgewandelt werden. Dies bedingt enorme zusätzliche CO2-Emissionen.

 

Weitere Informationen

Martin Häusling

Telefon Brüssel +32-228-45820
Fax Brüssel +32-228-49820
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Fax Straßburg +33-3-88179820