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21.11.2013

Arbeitsbedingungen in Katar

FIFA muss Verantwortung übernehmen

Das Europäische Parlament stimmt heute über eine Dringlichkeitsresolution zu Katar ab. Angesichts der schlechten Bedingungen, unter denen Migrantinnen und Migranten auf WM-Baustellen arbeiten müssen, wollen die europäischen Abgeordneten die Regierung, alle beteiligten Unternehmen, aber auch internationale Fußballverbände dazu aufrufen, auf konkrete Verbesserungen hinzuwirken. Allerdings hat die konservative Europäische Volkspartei – die größte Fraktion, der auch CDU und CSU angehören – nun angekündigt, den Text verhindern oder stark verwässern zu wollen. Dazu erklärt die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses, Barbara Lochbihler:

„Das Europäische Parlament muss ein deutliches Signal senden: Katar muss dringend bestehendes Recht und Reformen umsetzen, damit sich die Lage der Migrantinnen und Migranten verbessert. Sie brauchen angemessene Löhne, eine adäquate Wohnung, Schutzbestimmungen und genügend Wasser.

Aber auch die beteiligten Unternehmen sowie die FIFA müssen endlich Verantwortung übernehmen. Als Katar den Zuschlag für die Ausrichtung der WM bekam, wusste die FIFA, dass die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen des Landes katastrophal sind. Dass sich der Verband dennoch für den Golfstaat entschied, macht deutlich, wie wenig Bedeutung er den Menschenrechten beimisst. Künftig muss die FIFA die Vergabe von WM-Austragungsorten verbindlich an Kriterien knüpfen, die sich an UN-Menschenrechtskonventionen orientieren. Nur eindeutige Benchmarks können sicherstellen, dass die Gleichgültigkeit überwunden wird. Und im konkreten Fall Katar müssen die verbleibenden Jahre nun genutzt werden, konkrete Reformen zu erwirken.

Der in schwierigen Verhandlungen ausgearbeitete Kompromiss unserer Resolution hätte all diese Elemente deutlich gemacht. Die EVP aber weigert sich nun, den Text weiter mitzutragen. Vor allem will sie verhindern, dass wir Katar auffordern, das sogenannte Kafala-System abzuschaffen. Das sieht vor, dass jeder Migrant einen katarischen Sponsor benötigt, um überhaupt arbeiten zu dürfen. Faktisch aber führt es zu Zwangsarbeit und der Sklaverei ähnlichen Arbeitssituationen, da die Sponsoren weitreichende Macht über ihre vermeintlichen Schützlinge erlangen.

Die politischen Manöver der EVP sind angesichts dieser dramatischen Zustände nicht nur unverständlich, sondern völlig inakzeptabel. Wir Grünen werden alles tun, eine Verwässerung der Resolution zu verhindern.“

*Die Konferenz der Präsidenten des Europäischen Parlaments hat gestern beschlossen, schon bald im Menschenrechtsausschuss eine Konferenz unter Anhörung der FIFA, der UEFA sowie der Internationalen Arbeitsorganisation zu organisieren. Außerdem soll eine Delegation des Parlaments nach Katar reisen, um sich ein Bild von der Menschenrechtslage vor Ort zu machen.

Weitere Informationen

Barbara Lochbihler

Telefon Brüssel +32-2-2845392
Fax Brüssel +32-2-2849392
Telefon Straßburg +33-3-88175392
Fax Straßburg +33-3-88179392