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de |    Themen08.03.2006

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„Die Welt zu Gast bei Freunden“ – Für eine faire Fußball-WM

Interview mit Joachim Vorneweg, Sprecher von fairtrade:fairlife

Frisch: Güterbewegungen sind heute global. Fußbälle werden meist in asiatischen Sweat-Shops unter menschenunwürdigen Bedingungen fabriziert. Wie unterscheiden sich fair hergestellte Bälle davon?

Joachim Vorneweg: Wenn eine pakistanische Fabrik Faire Bälle herstellt, dann hat sie sich verpflichtet, die Arbeitsbedingungen der Näherinnen und Näher zu verbessern. Außer höheren Löhnen bedeutet das. Bildungsmaßnahmen durchzuführen, Krankengeld zu zahlen, finanzielle Hilfe in Notfällen anzubieten und langfristige Verträge abzuschließen. Diese Sozialstandards werden von FLO, der unabhängigen Fair Trade Organisation überwacht.

Die Hersteller konventioneller Bälle halten sich entweder an keinerlei Standards oder nur an die regional vorgeschriebenen und ihre eigenen. Das reicht nicht, weil Fairness nur da funktioniert, wo die Regeln und ihre Einhaltung von einem Unparteiischen überwacht werden


Frisch: Wie sorgt die Fair Play – Fair Life-Kampagne dafür, dass die Problematik von Ausbeutung im Welthandel an Kinder und Jugendliche herangetragen wird?

Joachim Vorneweg: Fair Play – Fair Life ist eine Kampagne zum Fairen Handel – mit dem Fußball als Leitprodukt. Wir haben einige Materialien hergestellt, die in der Jugendarbeit zum Einsatz kommen können und alle in der Geschäftstelle in Herne gekauft oder ausgeliehen werden können. Am wichtigsten ist die Praxismappe: ein Ordner mit 200 Seiten Informationen und Aktionsvorschlägen für Schule, Verein und Bildungsarbeit. Wir kommen zu Veranstaltungen mit einer Torwand oder präsentieren unser Thema mit einer mobilen Ausstellung. Die Kampagne wird von vielen Organisationen, Vereinen und Initiativen getragen – alle veranstalten vor und während der Weltmeisterschaft verschiedene Aktionen unter dem Schirm der Kampagne.


Frisch: Sind fair gehandelte Produkte ein Nischenprodukt oder besteht die Chance, viele Menschen dauerhaft vom Sinn eines gerechten Handels zu überzeugen?

Joachim Vorneweg: Produkte aus Fairem Handel findet sich in immer mehr Einzelhandelsgeschäften und werden immer mehr gekauft. Der erste fair gehandelt Ball kam 1998 in Deutschland auf den Markt. Heute gibt es über 30 Faire Bälle – auch Volleybälle und Basketbälle – die Tendenz ist weiter steigend. Damit hat der Faire Ball eine rasante Entwicklung erlebt und als Faires Produkt eine Erfolgsstory geschrieben. Der Weg von der ersten Initiative bis zum Regal im Einzelhandel dauert für Fairen Kaffee 20 Jahre – für Bälle nur sechs.

Es bleibt noch einiges zu tun. Das ist die Aufgabe von uns allen – als Konsumenten haben wir bei jedem Einkauf die Wahl uns für ein konventionelles Produkt oder eins aus Fairem Handel zu entscheiden.

Frisch: Wo können Fußballbegeisterte einen fair hergestellten Ball für sich oder ihre Sprösslinge kaufen?

Joachim Vorneweg: Seit letztem Jahr werden auch Fußbälle mit FairTrade Siegel in den Karstadt Sporthäusern verkauft. Die Bälle des FairHandelshaus gepa sind in den Weltläden zu kaufen und zu bestellen. Alle Fairen Bälle können auch bei den jeweiligen Herstellern online gekauft werden. Seit 2005 ist auch Derbystar Lizenznehmer bei FairTrade; die Bälle wurden in Bremen der Öffentlichkeit vorgestellt, weil Derbystar Ball-Sponsor des SV Werder Bremen ist. Sämtliche Informationen finden sich auch ständig aktualisiert auf dem Internet-Auftritt der Kampagne www.fairplay-fairlife.de