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de |    Themen09.11.2006

Kultur- und Kreativwirtschaft mit enormer Wirtschaftsleistung

von Helga Trüpel, MdEP

Die wirtschaftliche Bedeutung der Kultur in Europa nimmt zu und hat in letzter Zeit zu Recht einen Platz im politischen (Diskussions)Raum zurückerobert. Knapp sechs Millionen Beschäftigte erwirtschafteten 2003 beispielsweise rund 654 Mrd. Euro in den verschiedensten Kulturbranchen wie Literatur, Film, Musik, Architektur, Theater, Bildende Kunst und Tanz sowie in den Kreativsektoren wie Werbung, Design und Videospiele. Damit macht der Bereich bereits mehr Umsatz als die Automobilbranche in Europa. Die Studie The Economy of Culture in Europe, mit der sich die EU-Kommission erstmals näher an das Thema herangewagt hat, zeigt die starke Dynamik dieses Bereichs, die das allgemeine Wirtschaftswachstum bereits jetzt übertrifft. Insgesamt beträgt die Wertschöpfung der "Cultural and Creative Industries" 2,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) der EU-30. Die Kulturwirtschaft leistet einen Beitrag zur Wirtschaft in Europa, der höher ist als der der Ernährungsbranche (1,9%) oder der Chemieindustrie (2,3%). Kommissar Ján Figel betonte in diesem Zusammenhang, dass es sich bei den Ausgaben für Kultur um solide Investitionen handle. Wirtschaftspolitik und Kulturpolitik sind nicht länger als unabhängige Politikbereiche denkbar.

Wie kann das Potential von Kultur zur Schaffung von Wachstum und Beschäftigung im Sinne der Lissabon-Strategie am besten genutzt werden ohne eine weitere Ökonomisierung der Kultureinrichtungen? Vor welchen Herausforderungen stehen Kulturschaffende und Kreative als auch kulturpolitische Akteure heute? Wie könnte die Kulturwirtschaft mit verschiedenen Sektoren und vielfältigen Trägern in Deutschland aussehen? Diese Fragen werden im Mittelpunkt des ersten Kulturpolitischen Salons stehen, der im September dieses Jahres in Berlin im so genannten Münzsalon stattfinden wird. Ziel ist nicht nur, gemeinsam zu diskutieren, sondern auch durch regelmäßige Veranstaltungen neue Netzwerke zwischen den verschiedenen Akteuren des Kulturbetriebes zu etablieren.

An dieser Stelle sei auch bereits darauf hingewiesen, dass es am 20. November hierzu eine Anhörung im Europäischen Parlament geben wird. Da diese noch in Planung ist, wird erst nach der Sommerpause feststehen, welche Experten zu der Anhörung eingeladen werden.