Food first!
Mehr Menschen ernähren - weniger Auto fahren
Nur eine nachhaltige Landbewirtschaftung kann die Ernährung für eine rasant wachsende Weltbevölkerung sichern. Eine vernünftige Nutzung von Böden, Wasser und natürlichen Ressourcen kann nicht gleichzeitig einen wachsenden Individualverkehr mit Treibstoffen versorgen. Die agrar-industrielle Erzeugung von Pflanzentreibstoffen wird die Abhängigkeit von Mineralölimporten nur auf Kosten der sicheren Versorgung mit Lebensmitteln verringern. Nur dezentrale, energiesparende und Abfall verwertende Verfahren sind mit einer nachhaltigen Ernährungssicherung vereinbar.
Die gegenwärtig in der EU und den USA boomenden Investitionen in die Herstellung von Treibstoffen aus Getreide und Ölsaaten sind kein Patentrezept gegen den Klimawandel, denn die dominierenden Praktiken beim Anbau von Mais, Getreide, Zuckerrohr, Soja und Palmöl basieren fast vollständig auf Mineralöl. Modelle und Studien, die pflanzlichen Treibstoffen positive Energiebilanzen bescheinigen, haben in der Regel weder den Transport der Rohstoffe, noch Umweltbelastungen oder Risiken für die Ernährungssicherung einkalkuliert. Die Weltgetreidevorräte sind auf dem niedrigsten Stand seit vierzig Jahren. Durch den Klimawandel muss mit Ernteausfällen gerechnet werden.
Die steigende Nachfrage nach Energie und Agrarrohstoffen kommt zunehmend auch aus Schwellenländern. Der steigende Fleischkonsum, die Energieverschwendung im Individualverkehr und beim Transport von Lebensmitteln untergräbt die Ernährungssicherheit vor allem in Entwicklungsländern. Mehr als 2 Milliarden Menschen, die unter der Armutsgrenze leben und sich nicht ausreichend ernähren können, stehen fast 1 Milliarde Autobesitzern gegenüber, die Pflanzentreibstoffe bezahlen können. Durch die steigende Verwendung von Agrarrohstoffen für die Treibstoffproduktion steigen die Preise für Nahrungsmittel. Die ärmsten Bevölkerungsschichten sind davon existentiell betroffen.
Erneuerbare Energien können aus einer nachhaltigen Landbewirtschaftung kommen, wenn sie Teil einer energiesparenden und Energieeffizienz steigernden Strategie sind. Statt in der EU ein weiteres rasantes Anwachsen des Individualverkehrs als gegeben anzunehmen und die Beimischung von Pflanzentreibstoffen verbindlich zu machen, muss die EU verbindliche Ziele für ein reduziertes, schadstoffarmes Verkehrsaufkommen setzen. Nicht dem agrarindustriellen Modell der Energieerzeugung darf Vorschub geleistet werden. Vielmehr sollte die EU dezentrale Formen der erneuerbaren Energien aus organischen Reststoffen wie Biogas und Strom/Wärme-Kopplung bevorzugt fördern. Darüber hinaus müssen eine verbindliche Zertifizierung für europäische und importierte Energie-Rohstoffe und ein qualifizierter Marktzugang eingeführt werden. Erst dann wird regenerative Energieerzeugung ohne Konkurrenz zur Nahrungssicherung möglich.
Unterzeichner aus der EP-Fraktion Grüne/EFA: Rebecca Harms, Graefe zu Baringdorf, Michael Cramer, Milan Horáček, Daniel Cohn-Bendit, Marie-Hélène Aubert, Monica Frassoni, Eva Lichtenberger, Alain Lipietz, Caroline Lucas, Sepp Kusstatscher
Mehr Informationen zur Food Campaign der Fraktion Grüne/EFA im Europäischen Parlament:
Eat-better