de | ThemenBrüssel 15.12.2008
Initiativen zur Freiwilligentätigkeit auf europäischer Ebene
Informationspapier von Gisela Kallenbach MdEP
Freiwilligentätigkeit und ehrenamtliches Engagement sind ein Thema, dass auf EU-Ebene lange Zeit vernachlässigt wurde. Dabei sind die Zahlen beeindruckend: 100 Millionen Europäer engagieren sich Jahr für Jahr freiwillig in ganz verschiedenen Bereichen der Gesellschaft. Umgerechnet in bezahlte Arbeit entspricht das bis zu 5% der nationalen BIP. Darüber hinaus zeigen Umfragen, dass 80% der europäischen Bürger Freiwilligentätigkeit für wichtig halten.
Trotz aller Zustimmung gibt es jedoch noch immer viele Probleme. Freiwilligendienste sind in der Gesellschaft noch zu wenig anerkannt und die Wirtschaft honoriert diese zusätzliche Qualifikation, die vor allem jungen Leuten zu mehr Eigenständigkeit und Reife verhilft, kaum. Es gibt nationale Regelungen und Programme, aber der Mehrwert durch ein zusammenwachsendes Europa bleibt ungenutzt. Die Rahmenbedingungen sind oft schlecht. Die soziale Absicherung, Versicherungsfragen oder der rechtliche Status von europaweit freiwillig engagierten Helfern sind ungeklärt. Auf europäischer Ebene gibt es außerdem keine ausreichende Koordination und Vernetzung und zu wenige Programme, die wiederum schnell ausgelastet sind.
Die EU hält einige Programme bereit um den Austausch auf europäischer Ebene zu fördern: Youth in Action, ausgestattet 885 Mio. € ist das wichtigste. Dazu gehört auch der European Voluntary Service, der 4000 Jugendliche pro Jahr unterstützt, die Hälfte davon sind Jugendliche aus Deutschland. Dazu gehören des Weiteren die Erwachsenenbildung im Bereich life long learning, (Programm Grundtvig) für 7000 Teilnehmer pro Jahr, das SESAM2-Programm für Gesellen, die mindestens 26 Wochen in einem anderen Land ausgebildet werden und für Berufseinsteiger Leonardo für ein dreimonatiges Praktikum im Ausland.
2007 und 2008 waren entscheidende Jahre um die Bemühungen um mehr Anerkennung und Förderung der Freiwilligentätigkeit auf EU-Ebene voran zu treiben.
Der Europäische Rat hat unter der portugiesischen und slowenischen Präsidentschaft Anstrengungen unternommen, das Thema bei den Ministerratssitzungen zu diskutieren. 2007 wurde eine Resolution verabschiedet, in der die Mitgliedsstaaten mehr Anerkennung, eine besser Zertifizierung und eine bessere Verknüpfung mit der Wirtschaftswelt fordern.
Die EU-Kommission hat im Juli dieses Jahres eine Empfehlung für den Rat zur europaweiten Mobilität von Jugendlichen (unter 30 Jahren) vorgelegt. Der Bericht zielt vor allem darauf ab, die Rahmenbedingungen insbesondere, den Austausch und die Vernetzung zwischen den nationalen Systemen zu verbessern. Kommissar Figel schlägt unter anderem vor, ein online Jugendportal einzurichten, auf dem sich interessierte Jugendliche informieren können, ebenso wie einen Euro- und einen Jugendpass als Zertifikation zu schaffen.
Mit dem Figel-Bericht wurde das Thema erstmals von der Kommission in einer Empfehlung an den Rat behandelt. Trotzdem bleibt der Vorschlag begrenzt, da die Zuständigkeiten im Bereich Kultur und Bildung vor allem bei den Mitgliedsstaaten liegen.
Auch im Europäischen Parlament gibt es Vorschläge. So wurde im April dieses Jahres ein Initiativbericht zur Freiwilligentätigkeit verabschiedet. Gestützt auf wissenschaftliche Untersuchungen hebt der Harkin-Report vor allem die wirtschaftliche Bedeutung der freiwilligen Arbeit hervor. Der Bericht unterstreicht außerdem den Stellenwert dieses Engagements in Familien und sozialen Randgruppen, da er dort besonders zum sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft beiträgt. Ein wesentlicher Aspekt ist auch, dass die Kapazitäten und Erfahrungen von älteren Leuten und die generationsübergreifende Zusammenarbeit stärker als bisher beachtet und gefördert werden müssen. Der Bericht fordert ebenso eine engere Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft im Bereich Corporate Social Responsibility sowie steuerliche Begünstigungen für Freiwilligentätigkeit und die bessere soziale Absicherung von Aktiven. Nicht zuletzt beinhaltet er die Forderung nach einem Europäischen Jahr des freiwilligen Engagements im Jahr 2011.
Im Juli dieses Jahres hat das Parlament eine Schriftliche Erklärung, unterschrieben von mehr als 454 Abgeordneten, verabschiedet, die die Kommission auffordert das Jahr 2011 zum Europäischen Jahr des freiwilligen Engagements zu ernennen. Die Erklärung wurde mit Unterstützung eines Netzwerks aus 17 Freiwilligenorganisationen aus ganz Europa auf den Weg gebracht. Das Thema des Europäischen Jahres wird von der EU-Kommission ausgerufen. Es bringt vor allem viel Aufmerksamkeit, eine besondere Beachtung im Rahmen von EU-Projekten und Veranstaltungen und hat auch eine finanzielle Unterstützung von Initiativen durch die Kommission zur Folge. Zudem ist es eine Chance europäische Politik besser zu kommunizieren.
Derzeit laufen Gespräche mit der EU-Kommission und dem Europäischen Rat. Es ist nun wichtig, die Unterstützung der nationalen Regierungen zu gewinnen, um die Kommission zum Handeln zu bewegen und Verzögerungen zu vermeiden. Die Initiative sollte noch vor Ablauf der Legislaturperiode unter der jetzigen Kommission verabschiedet werden.
Kommissions-Empfehlung
Schriftliche Erklärung EP
Initiativbericht EP
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