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28.02.2012

Die Abzocke beim Mobilfunk-Roaming geht weiter

Preise in der EU sollen nur moderat sinken - Grüne fordern Abschaffung des Preisunterschieds zum Heimnetz

Ob Urlauber oder Geschäftsreisende - das Problem kennen alle. Wer im Ausland sein Handy einschaltet, um zu telefonieren, Nachrichten zu schreiben oder im Internet zu surfen, den erwartet bei der Rückkehr oftmals eine horrende Telefonrechnung. Der Industrieausschuss des Europäischen Parlaments hat heute eine Chance vergeben, dieser Abzocke zumindest im EU-Ausland ein Ende zu bereiten. So setzte eine Ausschussmehrheit gegen die Stimmen der Grünen nur moderate Preissenkungen in drei Schritten bis 2014 durch.

"Es gibt keinen logischen Grund dafür, dass die Kosten für das Mobilfunk-Roaming weiterhin so exorbitant hoch bleiben", kritisiert die Vorsitzende der Grünen Europafraktion, Rebecca Harms, im Anschluss an die Abstimmung. Die Grünen fordern, dass der willkürliche Preisunterschied zwischen den Kosten im Heimnetz und im europäischen Ausland vollständig abgeschafft wird. Das Ergebnis der heutigen Abstimmung zielt aber auf nicht mehr als eine moderate Begrenzung der Preise ab. Außerdem wird die EU-Kommission aufgefordert, die Kosten im Jahr 2016 noch einmal neu zu überprüfen.

Besonders schwach sind die Vorschläge beim so genannten Daten-Roaming. Hier geht es um Kosten, die bei der Nutzung von mobilem Internet im Ausland anfallen. "Völlig unambitioniert", so Harms. Während die Grünen erst im Sommer eine Begrenzung auf 0,02 Euro pro Megabyte eingefordert haben, erlaubt der jetzige Vorschlag weiterhin eine Berechnung durch die Anbieter, die mehr als tausendfach über den tatsächlichen Kosten liegt.

"Leider hat die Mehrheit der Abgeordneten des Industrieausschusses heute nicht im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa entschieden", stellte Harms nach der Abstimmung fest. Stattdessen würde sichergestellt, dass die Mobilfunkanbieter auch in der Zukunft weiterhin hohe Gewinne durch das Roaming einfahren können.

Das Europäische Parlament muss nun mit dem Rat der Mitgliedsstaaten verhandeln, bevor die neue Regelung in Kraft treten kann. Die Grünen sind aber skeptisch, dass nach der schwachen Parlamentspositionierung vom heutigen Tag ein wirklich verbraucherfreundliches Ergebnis dabei herauskommen wird.

Hier die heute im Industrieausschuss verabschiedeten Preisbegrenzungen

 

Einzelhandel

(Preise für die Konsumenten)

Großhandel

(Preise zwischen den Anbietern)

Anrufe

Ab Juli 2012: 0.25 € pro Minute für ausgehende Anrufe und 0.08 € pro Minute für eingehende Anrufe

Ab Juli 2013: 0.20 € pro Minute für ausgehende Anrufe und 0.07 € Euro für eingehende Anrufe

Ab Juli 2014: 0.15 € pro Minute für ausgehende Anrufe und 0.05 € pro Minute für eingehende Anrufe

Ab Juli 2012: €0.11 pro Minute


Ab Juli 2013: €0.08



Ab Juli 2014: €0.05

Kurznachrichten (SMS)

Ab Juli 2012: 0.08 € pro SMS


Ab Juli 2013: 0.07 € pro SMS

Ab Juli 2014: 0.05 € pro SMS

 

Ab Juli 2012: €0.03 pro SMS

Ab Juli 2013: €0.02

Ab Juli 2014: €0.01

 

Datenroaming

Ab Juli 2012: 0.50 € pro Megabyte


Ab Juli 2013: 0.30 € pro Megabyte

Ab Juli 2014: 0.20 € pro Megabyte

Ab Juli 2012: €0.25 pro übertragenem Megabyte

Ab Juli 2013: 0.15 €


Ab Juli 2014: 0.05 €

Weitere Informationen

Rebecca Harms

Ko-Fraktionsvorsitzende
Telefon Brüssel +32-2-2845695
Fax Brüssel +32-2-2849695
Telefon Straßburg +33-3-88175695
Fax Straßburg +33-3-88179695