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15.10.2013

Europaparlament für Frauenquote von 40 Prozent

Europaparlament für Frauenquote von 40 Prozent

Lediglich 15 Prozent beträgt der europaweite Frauenanteil in Aufsichtsräten. In Deutschland sind es 17 Prozent. Schwer zu glauben, da mittlerweile eine Mehrheit der Absolventen der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften weiblich ist. Nachdem freiwillige Selbstverpflichtungen der Wirtschaft die Situation bis heute nicht verbessert haben, begrüßen die Grünen, dass die Einführung einer gesetzlichen Quotenregelung für Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen gestern ein starkes Votum aus dem Europaparlament bekommen hat. Jetzt beginnen die Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten. „Ich freue mich über das gute Abstimmungsergebnis und die klare Forderung des Europaparlaments nach mehr Geschlechtergerechtigkeit in den Entscheidungsgremien unserer Unternehmen“, so die Vertreterin der Grünen im Gleichstellungsausschuss, Franziska Brantner.

Wie funktioniert die Quote?

Die Unternehmen müssen ihre Einstellungs-, Ernennungs- und Wahlverfahren für die Besetzung ihrer Aufsichtsratsposten anpassen. In einem transparenten Verfahren muss aus einem ausgewogen männlich und weiblich besetzten Kandidatenpool nach eindeutigen und neutral formulierten Kriterien der beste Kandidat oder die beste Kandidatin ausgewählt werden. Liegen dabei ein männlicher und ein weiblicher Kandidat gleichauf, bekommt die Kandidatin den Vorzug. So soll bis 2020 der Frauenanteil in den Vorständen auf 40% gesteigert werden.

Grüne stärken Vorschlag der EU-Kommission

Die Grünen konnten erreichen, dass ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis der KandidatInnen bereits in den ersten Etappen des Verfahrens vorliegen muss - und somit überwiegend männlich besetzte Bewerberpools vermieden werden. Außerdem müssen Unternehmen auf ihren Internetseiten und in ihren Jahresberichten ihre Strategien für mehr Geschlechtergleichheit darlegen und sich erklären, wenn sie bei der Erreichung der Zielvorgabe scheitern. „Nach den kontroversen Diskussionen der letzten Monate haben wir heute ein realistisches und akzeptables Ergebnis erreicht, das an der 40%-Zielvorgabe festhält“, so der wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der Grünen, Sven Giegold.

Harte Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten stehen bevor

Mehr Diversität in Führungsgremien schafft nicht nur mehr Akzeptanz bei den MitarbeiterInnen und der Kundschaft, sondern erhöht auch die Effizienz der Unternehmensführung. Jetzt beginnen die Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten, bei denen der Kommissionsvorschlag teilweise auf heftigen Widerstand gestoßen ist. Es bleibt also weiterhin spannend.