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15.01.2015

Faktencheck zu den Ammenmärchen der Milchindustrie

von Maria Heubuch, MdEP

Editorial

Milch sei das weiße Gold des kommenden Jahrzehnts, behauptet die Milchindustrielobby. Doch das Wachstum, dass sich die milchverarbeitenden Industrie durch Exporte nach China und andere Länder erhofft, wird auf dem Rücken der europäischen Bäuerinnen und Bauern ausgetragen, die für ihr Produktseit Jahrenkeine kostendeckenden Preise erhalten. Gleichzeitig wird die Umsetzung von umwelt-, tierschutz-und entwicklungspolitischen Zielen durch die einseitige Ausrichtung auf Produktionssteigerung gefährdet.

Nur etwa 30 Cent bekommen MilchviehhalterInnen derzeit pro Liter Milch. Die Weltmarktorientierung der EU-Milchpolitik führt zu immer volatileren Preisen-einRisiko, dasauf die Bauern und Bäuerinnen ausgelagertwird. Das Ende der Milchquote ab April diesesJahres setzt besonders kleine und mittlere Höfe unter Druck. Nachdem die Verpflichtung, bei Stallneubauten und Erweiterungen eine adäquate Milchquote vorzuweisen, aufgehoben wurde, sind in Deutschland zahlreiche Ställe in Größen von bis zu 600 Tieren gebaut worden. Vor allem in Norddeutschland haben viele Betriebe unmittelbar nach Fertigstellung einen Antrag auf Spiegelung (also Verdoppelung beispielsweisevon 600 auf 1200 Plätze) gestellt. Diese Riesenhöfe werden oftmals erstzu produzieren beginnen. Der Milchüberschuss, der sich hier auftürmt, wird die Preise noch weiter unter Druck setzen und viele Höfe zum Aufgeben zwingen. Fazit: Was für die Milchindustrie gut ist, muss noch lange nicht gut für die Landwirtschaft sein.

Alternativen liegen längst aufdem Tisch. Die Einrichtung einer Milchmarktbeobachtungs-stelle war ein erster positiver Schritt.Sie muss nun zu einem voll funktionsfähigen Instrument zur vorausschauenden Marktanalyse ausgebaut werden, damit Bäuerinnen und Bauerninformiert und verantwortlich handeln können. Es gilt, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Die Höhe der jetzt auslaufenden Milchquote orientierte sich nie an der Nachfrage. Durch eine mit Hilfe der Milchquote bewusst gesteuerte Überproduktion konnten daher Krisen nicht verhindert werden. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Milchprodukten innerhalb Europas sehr konstant. Anstatt auf Märkte in Entwicklungs-und Schwellenländern zu schielen, sollte die Milchproduktion an der Binnennachfrage angepasst werden. So könnte ein wichtiges Ziel der Agrarpolitik, nämlich die Stabilisierung der bäuerlichen Einkommen, erreicht werden. Gleichzeitig würde mehr Raum für die Umsetzung umwelt-, tierschutz-und entwicklungspolitischer Ziele entstehen.

Bei der Erstellung des Berichts zur Milchpolitik werde ich mich als Europa-Abgeordnete in diesem Sinne stark machen!

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Maria Heubuch

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