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20.05.2015

Finanziert mein Handy Bürgerkriege?

Konfliktmineralien in Alltagsprodukten sollen bald der Vergangenheit angehören

Mineralien aus Konfliktgebieten befinden sich in vielen Alltagsprodukten: Handys, Computer, Glühlampen oder Blechdosen. Das finanziert Kriege auf der ganzen Welt. Mit der Entscheidung des Europaparlaments vom 20. Mai soll sich das schon bald ändern.

"Unternehmen, die diese Mineralien in der Produktion verwenden, finanzieren Bürgerkriege in Konfliktregionen wie z. B. im Ostkongo. Die heute beschlossene Transparenzpflicht verhindert, dass Verbraucher unwissentlich grausame kriegerische Konflikte unterstützen, wenn sie zum Beispiel Elektrogeräte kaufen. Und die Unternehmen geraten unter Druck, ihr Verhalten zu ändern ", erläutert Ska Keller, handelspolitische Sprecherin der Grünen, den Riesenerfolg im Europaparlament.

Die Mehrheit für die neuen Regeln war hauchdünn. Denn Konservative und einige Liberale wollten die Transparenzpflicht verhindern. "Sie beharrten auf freiwilligen Regeln, von denen wir seit langer Zeit wissen, dass nur wenige Firmen sie in der Praxis anwenden", so Ska Keller. "Es ist mir unbegreiflich, dass viele Konservative und Liberale Abgeordnete gegen die Regeln gestimmt haben. Damit stellen sie das ökonomische Interesse von Unternehmen über das Schicksal von Millionen unschuldiger Menschen."

Die Grünen kämpfen seit Jahren für verbindliche Regeln. Denn Mineralien wie Kupfer, Koltan, Gold oder Zink werden in der EU in vielen Alltagsprodukten verarbeitet und befeuern Konflikte auf der ganzen Welt. "Jetzt ist es an den Regierungen der Mitgliedsstaaten, diese Regeln mitzutragen. Das Leid der Menschen, die in den Minen ausgebeutet werden und im Bürgerkrieg leben, muss enden", so Ska Keller.

Beispiele für Konfliktmineralien und ihren Einsatz in Alltagsgeräten

Koltan wird in Kondensatoren verbaut und ist damit unverzichtbar für viele technische Geräte. Es wird u.a. im Ost-Kongo abgebaut, wo die Koltan-Minen somit die Konflikte mitfinanzieren.

Gold wird in Elektrogeräten, aber auch als Wertanlage und als Schmuck verwendet. An vielen Orten der Welt gibt es Konflikte, die durch Goldabbau finanziert werden, z.B. in der Zentralafrikanischen Republik.

Zinn wird zum Löten in fast jedem elektronischen Gerät genutzt. Weltweit verdienen bewaffnete Gruppen mit dem Zinnhandel ca. 85 Millionen $ im Jahr.

Wolfram: Wird zum Abhärten von Stahl benutzt. Es ist aber auch notwendig für den Vibrationsmechanismus in Mobiltelefonen. In Kolumbien finanzieren sich Guerillagruppen durch den Abbau von Wolfram.

Wie würde das Berichtssystem funktionieren? Was kann es bewirken?

Das Gesetz nimmt Bezug auf die Richtlinien der OECD. Demnach müssten sich alle Unternehmen in der Produktionskette bei ihren jeweiligen Lieferanten rückversichern, dass die verwendeten Mineralien nicht Konfliktparteien in Krisengebieten finanzieren: Von der Mine bis zum Hersteller des Endprodukts. Hersteller von Handys, die auf dem Europäischen Markt verkaufen, müssen veröffentlichen, wie sie sicherstellen, dass in ihrer Lieferkette keine Konfliktmineralien verwendet werden. In absehbarer Zeit könnten die Mineralien somit ganz vom europäischen Markt verschwinden.

Weitere Informationen

Ska Keller

Stellvertretender Vorsitzender
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