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21.04.2010

"Join Europeana!"

Kulturelles Flaggschiff der Europäischen Union

Digitale Bibliothek, Museum und Archiv – Europeana ist die europäische Antwort auf Googles E-Books Projekt. Seit 2008 werden europäische Kulturgüter digitalisiert und unter www.europeana.eu verfügbar gemacht. Dazu gehören nicht nur Bücher, sondern auch Filme, audio-visuelle Kunstwerke, Fotografien und wissenschaftliche Werke. Die Zukunft dieser europäischen Kulturplattform hängt jedoch davon ab, wie strittige Urheberrechtsfragen geklärt werden – und ob ausreichend Geldmittel verfügbar gemacht werden, um Europeana zum europäischen Erfolgsprojekt zu machen.


Bislang bietet die europäische Kulturplattform Europeana Zugang zu etwa sechs Millionen digitalisierten Werken. Diese Zahl soll in den kommenden Jahren kräftig nach oben getrieben werden: Noch in diesem Jahr sollen es zehn, bis 2015 dann 15 Millionen Werke sein. Für Helga Trüpel, stellvertretende Vorsitzende des Kulturausschusses des Europaparlaments, ist das noch lange nicht genug: "Das gesamte kulturelle Erbe Europas soll für die Bürgerinnen und Bürger digital verfügbar gemacht werden", so Trüpel, die als Berichterstatterin des Europäischen Parlaments das Europeana-Projekt am Montag im Plenum vorstellte. "Europeana soll das kulturelle Flaggschiff der Europäischen Union werden."

 

 

Kein Vertrauen in private Monopolisten wie Google

Ob Europeana allerdings tatsächlich zu einer Erfolgsgeschichte wird, hängt stark davon ab, wie viel Geld die Europäische Kommission und die Mitgliedsstaaten für das Projekt bereitstellen wollen. Die grüne Europaabgeordnete sieht eine ausreichende Finanzierung schon vor dem Hintergrund der EU2020-Strategie, das heißt der neuen 10-Jahres-Strategie zur Modernisierung der europäischen Wirtschaft, für geboten. "Europeana ist ein Motor der Entwicklung des digitalen Marktes, ja des digitalen Angebots in der EU", meint Trüpel. Eine große Kampagne soll unter dem Titel "Join Europeana" das europäische Projekt daher auch bekannter machen und private Geldgeber umwerben – das Projekt selbst jedoch in öffentlicher Hand liegen. Zu schlecht sind die Erfahrungen mit privaten Monopolisten wie Google: "Google möchte ich das ganze europäische Kulturgut nicht anvertrauen, sondern ich möchte, dass wir Europäer selbst einen Zugriff darauf haben."

Auch Europeana kann nichts verschenken, was man anderswo bezahlen muss

Bislang wurden vor allem Werke bei Europeana eingestellt, die keinem Urheberrechtsschutz mehr unterliegen. Geklärt werden muss aktuell, wie man mit so genannten verwaisten Werken umgeht, bei denen die Rechteinhaber unbekannt sind. "Anders als Google wollen wir nicht, dass einfach gescannt wird und dann schauen wir mal, ob ein Problem auftaucht", stellt Trüpel klar. So sollen die Werke zwar digitalisiert und eingestellt werden. Gleichzeitig soll aber in einen Fonds eingezahlt werden, der von Verwertungsgesellschaften verwaltet wird. Außerdem sollen die Rechteinhaber recherchiert und angemessen entlohnt werden. Denn für verwaiste Werke wie auch für Werke unter vollem Urheberrechtsschutz gelte: "Wenn diese Werke runtergeladen werden, muss man dafür bezahlen", erläutert die Grüne und ergänzt: "Sonst macht man andere Buchläden und Kultureinrichtungen kaputt, weil es bei Europeana was umsonst gibt, wo man sonst in der normalen Welt bezahlen muss."

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