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07.09.2015

Milchkrise

EU-Agrarminister hilflos und überfordert

Zum Krisentreffen der EU-Agrarminister anlässlich des Milchdesasters erklärt der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament, Martin Häusling:

„Erwartungsgemäß stecken die EU-Agrarminister den Kopf in den Sand. Sie haben keine echte Antwort auf die Milchkrise, nach dem bereits EU-Agrarkommissar Phil Hogan der katastrophalen Lage der europäischen Milchbauern weitgehend mit Achselzucken begegnet war. 

Zum hausgemachten Milchdesaster fällt den Ministern nichts Neues ein. Sie wirken  überfordert und streuen den Bauern Sand in die Augen. Doch mit vorgezogenen Auszahlungen der Agrarhilfen, mit Lagerhaltung, Liquiditätshilfen, einer Beibehaltung und sogar Erweiterung der Exportorientierung ist keinem Milchbauern gedient. Das sind Beruhigungspillen, um die Bauern von der Straße zu holen. Nicht mehr. Die Agrarminister scheuen sich genau wie Hogan, das Grundproblem anzupacken. 

Offenbar geht der Agrarrat  davon aus, dass Milchbauern mit einem Milchpreis von 30 Cent über die Runden kommen können. Das mag vielleicht für die Landwirte Neuseelands oder auch Irlands zutreffen. Doch in den meisten Teilen Europas bedeutet dieses Niveau letztlich nur, dass reihenweise Milchbauern aufgeben müssen. Eine deutliche Beschleunigung des Strukturwandels steht bevor. Sie wird viele Existenzen kosten. Das nehmen die Agrarminister billigend in Kauf. 

Indirekte Rückendeckung bekommen sie dabei von der Vereinigung der Europäischen Bauernverbände und Genossenschaften COPA-COGECA und damit auch vom Deutschen Bauernverband. Denn diese Organisationen lehnen ebenfalls jedwede Richtungsänderung ab und beschreiten weiterhin stur den Weg der Liberalisierung. Damit betreiben sie das Spiel der Industrie, der schon wegen der zunehmenden Weltmarktorientierung eine Verschlankung des Milchsektors  sehr gelegen kommt.  

Statt Instrumente aus der Mottenkiste zu holen, die das Problem nur in die Zukunft verschieben, brauchen wir eine Politik, die sich an der Nachfrage nach Qualitätsprodukten auf dem europäischen Markt orientiert und die eine nachhaltige Produktion sicherstellt. Wir brauchen eine Schaffung von Wertschöpfung durch „Mehr-Wert“. Die Überschwemmung des Marktes mit Basis-Produkten, die sich nur im Preis, nicht aber in der Qualität voneinander unterscheiden, muss abgebaut werden. Wir brauchen eine stärkere Förderung einer nachhaltigen – auch handwerklichen - Qualitätsproduktion. Die Biomilcherzeugung eröffnet hier aufgrund der großen Nachfrage große Marktchancen. Darüber hinaus müssen Größe und Bündelungsgrad für Erzeugerorganisationen ein zur Milchindustrie gleichwertiges Marktgewicht der Erzeuger erlauben. Die Erzeuger müssen sich aus der Bevormundung der Genossenschaften befreien."

Weitere Informationen

Martin Häusling

Telefon Brüssel +32-228-45820
Fax Brüssel +32-228-49820
Telefon Straßburg +33-3-88175820
Fax Straßburg +33-3-88179820