[Zur Navigation]

19.11.2013

"Polen wollen erneuerbare Energien statt Kohle"

Rebecca Harms berichtet von den internationalen Klimaverhandlungen aus Warschau

"Wir haben am vergangenen Wochenende nur wenige Kilometer vom Stadion entfernt, in dem zur gleichen Zeit Verhandler aus mehr als 190 Ländern ein neues globales Klimaabkommen diskutierten, unsere eigene Klimakonferenz veranstaltet. Hier diskutierten wir zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern aus Polen und einigen Nachbarländern die Energiezukunft Polens und die Chancen, die in einer Abkehr von der dreckigen Kohle liegen.

Wahrscheinlich ist es nicht verwunderlich, dass sich auf unserer Konferenz eine überwältigende Mehrheit der Teilnehmer für die Energiewende aussprach. Erstaunt war ich dann aber schon als ich erfuhr, dass auch in repräsentativen Meinungsumfragen zwei Drittel der Polinnen und Polen die Zukunft in den Erneuerbaren sehen. 67% der Befragten sprachen sich gegen Kohlesubventionen aus. Die weit verbreitete Ablehnung der Kohle hat auch viel damit zu tun, dass sechs der zehn europäischen Städte mit der schlimmsten Luftverschmutzung in Polen liegen. Das kommt sowohl vom Kohleabbau als auch von der Kohleverstromung und der Nutzung von Kohle zum Heizen der Häuser.

Es gibt gesellschaftliche Mehrheiten in Polen für eine andere Energiewirtschaft, die sauberer und demokratischer ist. Es gibt den Wunsch Energie sparsamer und effizienter zu nutzen, ohne auf das gute Leben verzichten zu müssen. Diese Mehrheit wird aber in den polnischen Medien nicht abgebildet und auch nicht von ihrer Regierung bei den Debatten über europäische oder internationale Klimaziele vertreten.

Als Gastgeber der Klimakonferenz inszeniert sich die polnische Regierung als großer Freund der fossilen Industrie - in einer Offenheit, die viele Klimaschützer vor den Kopf stößt. So wird nicht nur der gesamte Gipfel von der fossilen Lobby gesponsert, es wird auch gleichzeitig ein großer Kohlekongress abgehalten.

Immer wieder wird wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit dem Klimaschutz entgegen gestellt. Den Einflüsterungen der mächtigen fossilen Lobby und der Industriezweige, die kein Interesse an einer Veränderung des alten Industriemodels haben, wird unkritisch gefolgt.
Dabei müssen Klimaschutz und eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung nicht im Widerspruch stehen. Wir müssen uns mit besonders sauberen Technologien, besonders sparsamen Autos, besonders effizienten Geräten international durchsetzen. Eine grüne Wende im Energiesektor schafft Jobs - auch in Polen. Seit Jahren gehen die Beschäftigungszahlen im Kohlebereich zurück - der Erneuerbarensektor und die energetische Sanierung der Häuser bieten neue Chancen für sichere, zukunftsfähige Arbeit. Auch die Abhängigkeit von Energieimporten, die in Polen bei jeder Energiedebatte eine große Rolle spielt, lässt sich mit Erneuerbaren und Effizienz reduzieren.

Wir müssen es schaffen den gesellschaftlichen Mehrheiten für eine Energiewende in den Ländern mehr Gehör zu verschaffen, in denen ihre Stimme bislang von der Kohle- oder Atomlobby übertönt wird. Das gute Leben mit sauberer Luft und ohne die radioaktive Gefahr muss auch im Osten der EU möglich werden."

Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen/EFA im Europäischen Parlament

Weitere Informationen

Rebecca Harms

Ko-Fraktionsvorsitzende
Telefon Brüssel +32-2-2845695
Fax Brüssel +32-2-2849695
Telefon Straßburg +33-3-88175695
Fax Straßburg +33-3-88179695