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06.02.2014

Sotschi

Bahn frei für Putins Olympia-Show

Zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Sotschi erklärt Werner Schulz, Vizevorsitzender des Parlamentarischen Kooperationsausschusses EU-Russland:

"Putin hat es geschafft, einen subtropischen Badeort in einen Wintersportort zu verwandeln, obwohl es bis zu den Spielen dort keinen einzigen Eishockey- oder Ski-Club gab. Dafür waren rund 50 Milliarden Euro nötig, höhere Kosten als bei allen Winterspielen zuvor.

Putin, der Herr der Ringe, ist der Sieger dieser Spiele, egal wie sie ausgehen. Auch in den Disziplinen Korruption, Kosten, Umweltzerstörung oder Menschenrechtsverletzung wurden dabei zahlreiche Rekorde gebrochen.

Mitverantwortung für diese beispiellose PR-Show und den Missbrauch der olympischen Idee trägt das Internationale Olympische Komitee. Bis heute versucht IOC-Präsident Thomas Bach diese Fehlentscheidung schön zu reden und zu verteidigen. Der Mann für Reformen, den Olympia so nötig hat, ist er jedenfalls nicht."

Barbara Lochbihler, Vorsitzende des Menschenrechtsausschuss des Europäischen Parlaments, ergänzt:

„Das Sportspektakel, das uns in den nächsten Wochen erwartet, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Olympiade die systematische Ausbeutung von Arbeitsmigranten zugrunde liegt. Zehntausende haben unter härtesten Bedingungen auf den Baustellen von Sotschi geschuftet, und viele von ihnen haben bis heute nicht den ihnen zustehenden Lohn erhalten. Die russische Menschenrechtsorganisation Memorial geht davon aus, dass 90 Prozent aller Gastarbeiter davon betroffen sind. Da wirkt es doch wie ein schlechter Witz, wenn sich Putin nun bereit erklärt hat, 6000 Arbeitern Lohn nachzuzahlen.

Sotschi hat einmal mehr gezeigt, wie wenig sich Sportfunktionäre wie IOC-Chef Bach für die Menschenrechtslage in den Austragungsorten interessieren. Ob in Russland Oppositionelle verfolgt sowie Lesben und Schwule diskriminiert oder Arbeitsmigranten brutal ausgebeutet werden, spielt für den IOC offenbar keine Rolle. Damit steht das Olympische Komitee leider nicht allein, wie die katastrophalen Verhältnisse auf den WM-Baustellen in Katar deutlich gezeigt haben. Damit muss endlich Schluss sein! Ob FIFA oder IOC: Jede Vergabe von Austragungsorten muss an einen menschenrechtlichen Maßnahmenkatalog und verbindliche Benchmarks geknüpft werden. Wer sich auf unverbindliche Zusagen verlässt, ist verlassen."