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09.12.2010

Viel zu lasche Gift-Grenzwerte bei Kinderzpielzeug

gruene-europa.de: Vor zwei Jahren hatte die EU die Spielzeugrichtlinie überarbeitet. Die GRÜNEN haben dagegen gestimmt. Warum?

Heide Rühle: Kinder reagieren sehr sensibel auf giftige Stoffe. Vor allem kleine Kinder haben mit ihren Spielzeugen einen intensiven Hautkontakt: sie nehmen sie in den Mund, beißen darauf herum, nehmen sie mit ihnen ins Bett. Bei der Überarbeitung der Spielzeugrichtlinie wurden viel zu lasche Grenzwerte für Chemikalien festgelegt. Durch Ausnahmeregeln dürfen z.B. krebserregende Weichmacher verwendet werden. Auch die Grenzwerte für Blei, wodurch das Nervensystem nachweislich geschädigt wird und andere Schwermetalle sind zu hoch. Andere Ausnahmeregelungen gestatten die Verwendung allergieauslösender Duftstoffe. Das ist unnötig, denn man kommt bei der Herstellung ohne diese gefährlichen Stoffe aus

gruene-europa.de: Was muss getan werden?

Heide Rühle: Wir brauchen eine gründliche Überarbeitung der Spielzeugrichtlinie. Wir wollen, dass Stoffe, die Krebs erregen, das Erbgut verändern und die Fortpflanzung gefährden verboten werden. Wir haben die Kommission mehrfach aufgefordert, tätig zu werden und dafür zu sorgen, dass die Grenzwerte schnell verschärft werden. Dass die Spielzeugrichtlinie eine EU-Richtlinie ist, heißt allerdings nicht, dass man national die Arbeit daran einstellen muss und keine eigenen Regeln erlassen kann. Da jüngst erlassene europaweite Verbot von Bisphenol A bei der Produktion von Babyflaschen ist beispielsweise auf eine nationale Maßnahme von Dänemark und Frankreich zurückzuführen - daran sollte sich die Bundesregierung ein Beispiel nehmen. Außerdem sollte die aktuelle Debatte um die Spielzeugrichtlinie auch nicht davon ablenken, dass immer wieder Spielzeug in den Regalen landet, bei dem selbst die geltenden - und viel zu laschen - Grenzwerte bei weitem überschritten werden.

gruene-europa.de: Wie kann man verhindern, dass giftiges Spielzeug in den Handel gelangt?

Heide Rühle: Hier brauchen wir eine bessere Marktüberwachung. Auch Bundesverbraucherministerin Aigner stiehlt sich aus der Verantwortung, immer noch fehlt eine bundesweite Koordination und eine einheitliche Anlaufstelle in Deutschland. Wir Grünen haben uns im Europaparlament dafür ausgesprochen, dass Spielzeug künftig von einer unabhängigen Stelle geprüft werden soll bevor es in den Handel gelangt. Die deutschen Europaabgeordneten von CDU/CSU und FDP Abgeordneten hatten dagegen gestimmt. Die Hersteller können sich so weiterhin die Sicherheit von Kinderspielzeug selbst bescheinigen. Auch das muss sich langfristig ändern, zumindest für Produkte für Kleinkinder und von Herstellern, die bereits durch schadhafte Produkte aufgefallen sind.

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