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04.10.2012

"Alibi-Stresstest" für europäische Atomkraftwerke

Sicherheitsmängel setzen Oettinger unter Druck

Heute präsentierte EU-Kommissar Günther Oettinger die Ergebnisse der europaweiten "Stresstests" für Atomkraftwerke. Die Liste der Mängel ist lang: Mindestens 10-25 Milliarden Euro würde die Nachrüstung kosten.

Doch das ist nicht mehr als die Spitze des Eisbergs. Denn schon im vergangenen Jahr haben die Grünen in einer unabhängigen Studie gezeigt: Die Tests klammern viele Sicherheitskriterien vollkommen aus. Selbst wenn die bislang erkannten Mängel behoben würden, wären die europäischen Meiler weit davon entfernt, sicher zu sein.

 Mangelhafte Kriterien

 "Von umfassenden Tests kann überhaupt keine Rede sein", so die Grüne Fraktionsvorsitzende im Europaparlament und Atomexpertin, Rebecca Harms. Risiken durch menschliches Versagen, alterndes Material, lecke Rohren, kaputte Ventile oder eine Kombination aus mehreren Problemen wurden überhaupt nicht berücksichtigt. Doch damit nicht genug: Das Inspektoren-Team hat viele europäische Kraftwerke bislang noch nicht einmal besichtigt.

 Tests müssen weitergehen

 Die Tests müssen daher fortgeführt werden. Dabei müssen alle Kraftwerke genau unter die Lupe genommen und auch die bislang ignorierten Sicherheitsrisiken berücksichtigt werden. "Die Mängelliste wäre endlos lang, wenn alle relevanten Risiken geprüft würden", so Harms weiter. So fehlen in der Kriterienliste der EU-Kommission auch die möglichen Gefahren, die von terroristischen Anschlägen ausgehen.

 Risikomeiler sofort abschalten

 Eine weitere Gefahr der Alibi-Veranstaltung "Stresstest": Selbst die im Rahmen der eingeschränkten Überprüfungen festgestellten Mängel müssen jetzt erst einmal angegangen werden. "Kommissar Oettinger darf sich dabei nicht hinter nationalen Zuständigkeiten verstecken", warnt Rebecca Harms. Aus Deutschland kam aber bereits der erste Zwischenruf von Umweltminister Peter Altmaier. Demnach sollen Risikomeiler mit kurzer Restlaufzeit nicht mehr nachgerüstet werden.

 Für unsichere Kraftwerke kann es aber nur eine Lösung geben: Sofort abschalten! In anderen europäischen Ländern besteht noch eine weitere Gefahr: Nachrüstungen könnten auf der Basis der schwachen Stresstests letztlich als Alibi für eine Laufzeitverlängerung herhalten. "Das dürfen wir nicht tolerieren", so die Grüne Fraktionsvorsitzende.

 "Oettinger muss jetzt handeln"

 Das Grüne Fazit zu den Stresstests ist eindeutig: Europäische Reaktoren wären selbst nach Beseitigung der bislang erkannten Mängel nicht sicher.  EU-Kommissar Oettinger steht daher unter großem Handlungsdruck. "Doch bislang scheint er keinen Plan zu haben, wie er höhere Sicherheitsstandards gegen die Interessen einiger Regierungen und der Atomwirtschaft durchsetzen kann", so Harms in ihrer abschließenden Bewertung.

 Ergebnisse der Stresstests

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Rebecca Harms

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