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27.01.2015

Faktencheck zu den Ammenmärchen der Milchindustrie

Milch sei das weiße Gold des kommenden Jahrzehnts, behauptet die Milchindustrielobby. Dass dem nicht so ist, zeigt ein Faktencheck, den die Europa-Abgeordnete der Grünen/EFA Maria Heubuch, Schattenberichterstatterin zur Milchpolitik im Agrarausschuss, anlässlich der heutigen Anhörung „Das Milchpaket und die Aussichten für den Milchsektor" veröffentlicht:

„Die Weltmarktorientierung der europäischen Milchpolitik führt zu immer volatileren Preisen. Dieses Risiko wird auf die Bauern und Bäuerinnen ausgelagert. Nur etwa 30 Cent bekommen sie derzeit pro Liter Milch. Im Schnitt der letzten Jahre blieben die Milchpreise durchgehend unterhalb der Produktionskosten.

Das Ende der Milchquote ab April dieses Jahres setzt besonders kleine und mittlere Höfe unter Druck. Nachdem die Verpflichtung, bei Stallneubauten und Erweiterungen eine adäquate Milchquote vorzuweisen, aufgehoben wurde, sind in Deutschland zahlreiche Ställe in Größen von bis zu 600 Tieren gebaut worden. Vor allem in Norddeutschland haben viele Betriebe unmittelbar nach Fertigstellung einen Antrag auf Spiegelung (also Verdoppelung beispielsweise von 600 auf 1200 Plätze) gestellt. Diese Riesenhöfe werden oftmals erst zu produzieren beginnen. Der Milchüberschuss, der sich hier auftürmt, wird die Preise noch weiter unter Druck setzen und viele Höfe zum Aufgeben zwingen. Auch die Auswirkungen auf Tier- und Umweltschutz drohen sich noch zu verschärfen. Fazit: Was für die Milchindustrie gut ist, muss noch lange nicht gut für die Landwirtschaft sein.

Alternativen liegen längst auf dem Tisch. Die Einrichtung einer Milchmarktbeobachtungs-stelle war ein erster positiver Schritt. Sie muss nun zu einem voll funktionsfähigen Instrument zur vorausschauenden Marktanalyse ausgebaut werden, damit Bäuerinnen und Bauern informiert und verantwortlich handeln können. Es gilt, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Die Höhe der jetzt auslaufenden Milchquote orientierte sich nie an der Nachfrage. Durch eine mit Hilfe der Milchquote bewusst gesteuerte Überproduktion konnten daher Krisen nicht verhindert werden. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Milchprodukten innerhalb Europas sehr konstant. Anstatt auf Märkte in Entwicklungs- und Schwellenländern zu schielen, sollte die Milchproduktion an die Binnennachfrage angepasst werden. So könnte ein wichtiges Ziel der Agrarpolitik, nämlich die Stabilisierung der landwirtschaftlichen Einkommen, erreicht werden. Gleichzeitig würde mehr Raum für die Umsetzung umwelt-, tierschutz- und entwicklungspolitischer Ziele entstehen."

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Maria Heubuch

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