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02.10.2013

Fußball-WM in Katar

Ignoranz der Fifa kennt keine Grenzen

In den kommenden zwei Tagen wird sich das Exekutivkomitee des Weltfußballverbandes Fifa in Zürich treffen. Über die menschenrechtswidrigen Arbeitsbedingungen im geplanten WM-Austragungsort Katar wollen die Funktionäre jedoch nicht sprechen. Dazu erklärt die Europaabgeordnete und Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses Barbara Lochbihler:

„Die Ignoranz der Fifa kennt offenbar keine Grenzen. Da wird bekannt, dass auf den WM-Baustellen in Katar unter sklavenähnlichen Verhältnissen geschuftet wird, und die Funktionäre diskutieren über eine mögliche Terminverlegung vom Sommer in den Winter. Kein Wort werden sie also voraussichtlich in diesen Tagen über die 44 verstorbenen nepalesischen Gastarbeiter, die Zwangsarbeit oder die Verweigerung von Trinkwasser verlieren. Kein Wort über das Kafala-System, das Migranten quasi per Gesetz in die absolute Abhängigkeit von Einheimischen und damit in sklavenähnliche Verhältnisse treibt. 

Dabei steht die Fifa längst in der Pflicht, für Aufklärung zu sorgen. Wie konnte es dazu kommen, dass Katar den Zuschlag für die WM 2022 erhalten hat? Schon bei der Vergabe konnten Blatter und Co. genau wissen, dass Migrantinnen und Migranten in dem Golfstaat unter menschenunwürdigen Bedingungen leben und  arbeiten müssen. Bereits damals hätte die Fifa die Vergabe an die Einhaltung der Menschenrechte knüpfen müssen - ganz abgesehen davon, dass der Zuschlag für Katar wohl ohnehin korrupten Machenschaften zu verdanken ist. Da reicht es nicht aus, auf ein gutes Arbeitsgesetz zu verweisen. Denn in der Praxis, das zeigen nicht zuletzt die vielen Todesopfer, werden diese rechtlichen Vorgaben schlicht nicht umgesetzt.

Auch deutsche Unternehmen, die wie etwa die Deutsche Bahn AG vom WM-Geschäft profitieren, müssen sich nun die Frage gefallen lassen, ob denn auf ihren Baustellen in Katar alles richtig läuft. Wie für die Fifa gilt auch für die Unternehmer: Kann der Golfstaat die Menschenrechte nicht garantieren, müssen sie die Konsequenzen ziehen und auf ihren Investitionsstandort Katar verzichten. Sollte der Fußballweltverband an seinen Plänen festhalten, muss er die kommenden neun Jahre nutzen, um entlang von eindeutigen Benchmarks die Entwicklung der Menschenrechtssituation in Katar zu kontrollieren.“

 

Weitere Informationen

Barbara Lochbihler

Telefon Brüssel +32-2-2845392
Fax Brüssel +32-2-2849392
Telefon Straßburg +33-3-88175392
Fax Straßburg +33-3-88179392