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16.05.2014

WM 2022 in Katar

Blatter redet übers Wetter

Zum ersten Mal hat auch FIFA-Chef Blatter zugegeben, die WM-Vergabe an Katar sei ein Fehler gewesen. Allerdings begründet er das allein mit den hohen Temperaturen im Golfstaat. Barbara Lochbihler, Vorsitzende des Unterausschusses für Menschenrechte im Europäischen Parlament, kommentiert:

“Es ist erfreulich, dass sich nach vielen seiner Kollegen nun endlich auch FIFA-Chef Blatter ein wenig einsichtig zeigt: Erstmals gibt er zu, dass die WM-Vergabe an Katar womöglich ein Fehler war.

Seine Begründung jedoch halte ich für bedenklich. Natürlich dürften die hohen Temperaturen im Golfstaat der FIFA auch bereits 2010 bekannt gewesen sein, und selbstverständlich sollten wir die Gesundheit der Spieler nicht aufs Spiel setzen. Die Vergabe aber aufgrund der Hitze zu kritisieren, ohne bei der Fehleranalyse auch nur im Geringsten auf die Menschenrechtslage in Katar einzugehen, ist mehr als einseitig – es lässt der katarischen Regierung den Spielraum, den es braucht, um angekündigte Reformen womöglich doch im Wüstensand verlaufen zu lassen.

Erst gestern war bekannt geworden, Katar wolle Reformen einleiten – ja sogar das Kafala-System abschaffen, das in der gesamten Golfregion zu massiven Verletzungen der Menschenrechte führt. Jetzt wäre der Moment gewesen, auch als FIFA-Boss den nötigen Druck aufzubauen und auf eine Umsetzung der angekündigten Reformen zu drängen. Stattdessen redet Blatter übers Wetter, über seine Wiederwahl – und verliert in 5 Minuten Interview kein Wort über die Arbeiterrechte oder die laut Internationalem Gewerkschaftsbund 1200 toten Migranten seit der WM-Vergabe. Sehr bezeichnend.“

Weitere Informationen

Barbara Lochbihler

Telefon Brüssel +32-2-2845392
Fax Brüssel +32-2-2849392
Telefon Straßburg +33-3-88175392
Fax Straßburg +33-3-88179392